![]()
Wir garantieren in unseren Räumen Sicherheit und Schutz vor Übergriffen, Anonymität und Verschwiegenheit. In akuten Bedrohungssituationen erachten wir es als vordringlich, gemeinsam mit der davon betroffenen Frau, Strategien zum Schutz vor weiteren Übergriffen zu erarbeiten. Nur so kann die Basis für die Bewältigung der erlittenen Traumatisierungen geschaffeb werden.
Unsere Beratungen sind bewußt parteilich für Frauen, die sexuelle Übergriffe erleben mußten. Dies bedeutet, daß wir uns in die Sichtweise der jeweiligen Frau einfühlen und ihrem individuellen Erleben Glauben schenken.
Der Übergriff ist eine eindeutige und nicht entschuldbare Verletzung der Selbstbestimmung. Dem Übergriff vorausgegangenes Verhalten ist keinesfalls dazu geeignet, dem Opfer auch nur eine Teil-Schuld am Übergriff zuzuweisen.
Unsere Haltung ist wertschätzend und akzeptierend. Wir respektieren die Wertvorstellungen und Lebensentwürfe und erarbeiten gemeinsam mit den Betroffenen jeweils individuelle Lösungsmöglichkeiten.
Die traumatisierende Wirkung sexualisierter Gewalt birgt stets die Gefahr, Betroffene vor allem als Opfer wahrzunehmen. Um dem entgegenzuwirken, ist es uns wichtig, jede Frau als Gesamtpersönlichkeit wahrzunehmen: Sie wurde zwar Opfer von sexualisierter Gewalt, kann nun jedoch als Überlebende auf ihre ureigenen Stärken und oftmals besonderen Potentiale zurückgreifen. In den Beratungsgesprächen stellen wir diese Ressourcen in den Mittelpunkt, um dadurch die Bemühungen um Integration des Erlebten bestmöglichst zu unterstützen.
Sexuelle Gewalt erlebt zu haben, bedeutet auch, extreme physische und psychische Fremdbestimmung und Grenzverletzung erfahren zu haben. Daher legen wir in den Beratungen besonderen Wert darauf, die Grenzen der bei uns ratsuchenden Frauen unbedingt zu achten und ihre Selbstbestimmung zu fördern. Wir informieren genau über unsere Angebote, erläutern unsere Vorgehensweisen und sprechen die Planung von weiteren Schritten ab. Nur mit Einverständnis der betroffenen Frau werden weitere Schritte eingeleitet.
Wertschätzung gegenüber ratsuchenden Frauen ist eine der elementaren Grundlagen der Beratungsarbeit des Frauennotrufs. Nur aus einer wertschätzenden Beratungsbeziehung heraus kann der Selbstwert, der auf massivste Weise verletzt wurde, wieder neu gefunden werden. Aus dieser beraterischen Haltung heraus legen wir größten Wert auf eine gute, geklärte Beratungsbeziehung. Kritische Selbstreflexion der Beratungen und Supervision sind hierfür unabdinglich.
Beratungsgespräche stellen auch einen Freiraum dar, in dem Gespräche und Schweigen, Lachen und Weinen, Verzweiflung und Hoffnung, Wut und Ratlosigkeit als Ausdruck der momentanen Situation und als Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit willkommen sind.
Ziel unserer Arbeit ist es, die verschiedenen Wege der Aufarbeitung von sexuellen Gewalterfahrungen zu begleiten. Wir möchten bei der Wiedererlangung eines positiven Selbstbildes und der Kontrolle über das eigene Leben förderlich, unterstützend und hilfreich sein und die Entscheidungsfindung für neue Handlungsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven stärken.
Traumatische Situationen machen individuelle Überlebens- und Bewältigungsstrategien erforderlich, die primär der Erhaltung der physischen, psychischen und sozialen Existenz dienen. Manche dieser Strategien, wie z.B. Selbstverletzungen oder Alkohol- und Drogenmißbrauch, sind auf Dauer betrachtet extrem selbstschädigend. Doch sind in ihrer Intention auch diese Versuche konstruktiv. Bewältigungsstrategien werden deshalb zunächst als Überlebensstrategien akzeptiert, um im zweiten Schritt gemeinsam nach gangbaren Alternativen zu suchen.
Sexuelle Grenzverletzungen rufen oft enorme Schuld- und Schamgefühle hervor, ebenso wie Gefühle des Ekels und des Beschmutztseins. Auch diesen Empfindungen und Gefühlen soll in der Beratung Raum gegeben werden. So ist es mancher Frau oftmals erst im Verlauf des langen Heilungsprozesses möglich, die Verantwortung für die Gewalttat dem Täter zuzusprechen.
Aus Angst vor den Reaktionen ihres sozialen Umfelds, aber auch auf Grund der nur schwer auszuhaltenden Gefühle nach einer sexuellen Traumatisierung, ziehen sich viele Betroffene zurück und leben oftmals sehr isoliert. Frauen, die sexuelle Grenzverletzungen erleben mußten, fühlen sich mit ihren traumatischen Erlebnissen häufig allein. Wir möchten Mut machen, den Kontakt mit anderen Betroffenen zu suchen, um so einen Weg aus der Vereinzelung zu finden.
Stets ist es uns ein Anliegen, individuell angepaßte Hilfe anzubieten. Wir informieren deshalb über weitere Unterstützungsangebote, wie z.B. Selbstbehauptungstrainings und Selbstverteidigungskurse.
Beratungsarbeit stellt zunächst das individuelle Erleben in den Mittelpunkt. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist aber niemals nur ein Problem einzelner Frauen. Sexuelle Gewalt ist in bestehenden gesellschaftlichen Strukturen begründet. Diese gesellschaftliche Dimension in der Beratung aufzuzeigen, kann große Entlastung bewirken. Sexuelle Gewalt ist ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte und als solcher gesellschaftspolitisch zu ahnden und zu verhindern. Dies ist das Ziel der Frauennotrufarbeit.
Gerade die gesellschaftliche Dimension fordert kostenfreie Unterstützung bei der Beratung von Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen.
Alle Beratungsangebote des Frauennotrufs sind deshalb kostenlos und können auf Wunsch auch anonym in Anspruch genommen werden.