![]()
Sexuelle Gewalt gegen Frauen kennt viele Erscheinungsformen. Die Bedrohung findet tagtäglich statt. Grenzverletzungen und Übergriffe reichen von der "Anmache" auf der Straße über Belästigungen am Telefon bishin zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Aber auch in Beziehungen, in der Ehe und selbst nach der Trennung sind Drohungen, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung keine Seltenheit.
Für sexuelle Gewalt ist in keinem Fall die einzelne Frau oder das einzelne Mädchen persönlich verantwortlich. Weder muß sie sich schämen, noch trägt sie eine Mitschuld.
Die Auswirkungen konkreter Gewalterfahrungen und Grenzverletzungen sind aber bei jeder Frau und bei jedem Mädchen individuell verschieden. Es kostet jedoch in jedem Fall enorm viel Kraft, mit dieser Erfahrung zurechtzukommen.
Vergewaltigung ist die extremste Ausformung sexueller Gewalt, so etwas wie „die Spitze des Eisberges“. Real ausgeübte Gewalt gegen Frauen ist Teil eines Geschlechterverhältnises, das durch Frauenverachtung und Herabwürdigung ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen schafft und manifestiert. Machtausübung von Männern gegenüber Frauen wird durch patriarchale Strukturen legitimiert. Diese Strukturen zeigen sich in vermeintlich „öffentlichen“ Raum, in nationaler Dimension, beispielsweise bei Vergewaltigungen im Krieg. Aber auch im vermeintlich "privaten" Raum, wo Frauen in Beziehungen Unterdrückung erleben müssen, werden diese Mechanismen sichtbar.
Es muß davon ausgegangen werden, daß
Befragungen mit verurteilten Sexualstraftätern haben drei Tatmotive ergeben:
Dies widerlegt die sogenannte „Triebtäter“-Theorie sehr deutlich.
Die offiziellen Statistiken über Anzeigeerstattung von Sexualdelikten sind im Blick auf das reale Ausmaß an sexuellen Übergriffen wenig informativ. Die Dunkelziffer dürfte hier 10 bis 30 mal höher liegen. Den meisten Frauen fällt es sehr schwer, über das Erlebte zu sprechen. Sie fürchten, daß man ihnen nicht glaubt oder ihnen eine Mitschuld zuspricht. Daher ist es für die meisten Frauen undenkbar, diese Straftaten anzuzeigen und so erst öffentlich zu machen.
Wir vom Frauennotruf Nürnberg wollen deshalb über das Ausmaß von sexuellen Übergriffen gegen Frauen informieren. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Ursachen von Gewalt zu benennen und über die langanhaltenden körperlichen und seelischen Folgen von Gewalterfahrung für Frauen zu informieren.